In meiner Arti­kel­serie zeige ich dir, wie du Info­gra­fiken für deine Orga­ni­sation erstellst. Im Teil zu Affinity Designer findest du einen Lernweg, um mit dem Programm Affinity Designer Info­gra­fiken zu kreieren. In diesem Artikel geht es um Diagramme in Affinity Designer.

Über­sicht über die Arti­kel­serie

Der Nachteil

Der Nachteil von Affinity Designer gegenüber Illus­trator: Es hat keine Diagramm­funktion. Du musst also alle Diagramme selbst erstellen und dafür auch ein bisschen rechnen.

Ich nehme das – mit den unter­schied­lichen Preisen im Kopf – gerne in Kauf.

Viel mit unter­schied­lichen Diagramm­typen und Darstel­lungen herum­zu­pro­bieren kostet dich viel Zeit. Daher empfehle ich dir: Erstelle die Diagramme zunächst in Excel und überlege dir, wie sie aussehen sollen. Hast du dich für einen Diagrammtyp und die Darstellung entschieden, setze das Diagramm in Affinity Designer um.

Work­around für Säulen- und Balken­dia­gramme

1. Referenz-Rechteck erstellen

Erstelle dir zunächst ein Rechteck als Vorlage für dein Säulen­dia­gramm:

Rechteck, das als Referenz für die 100% gilt

Das wird die größt­mög­liche Säule deines Säulen­dia­gramms, d. h. das Rechteck entspricht 100%.

2. Prozent­zahlen berechnen

Im nächsten Schritt erstellst du die Säulen für deine Daten. Nehmen wir mal an, du hast folgende Daten:

Teil­neh­mende an den folgenden Projekten:

  • MINT – 15
  • Foto­grafie – 19
  • Sprachen – 27
  • Sozial & digital – 7
  • Insgesamt: 68 Schüler.”

Dann benö­tigst du die Prozent­zahlen. Die rechnest du entweder mit Dreisatz oder nutzt einfach diesen Rechner für Prozent­zahlen.

Für die Beispiel­werte:

  • MINT: 22,06%
  • Foto­grafie: 27,94%
  • Sprachen: 39,71%
  • Sozial & digital: 10,29%

3. Säulen erstellen und umbe­nennen

Um den Über­blick zu behalten, benenne die Säule „100%“ oder „Vorlage“. (Rechts bei den Ebenen auf den Namen des Objekts doppel­klicken, um es umzu­bennen.)

Jetzt markierst du das Objekt und drückst so oft STRG+J, wie du Säulen benö­tigst.

Rechtecke fünfmal kopiert

Wie du siehst, hast du jetzt mehrere gleich große Rechtecke. Die kannst du jetzt in dem Ebenen­be­dienfeld einzeln anklicken und verschieben.

Klicke die erste Säule an und benenne sie in die erste Kate­gorie um, ich benenne sie z. B. in „MINT“.

Einzelne Säulen benennen

Stelle fest, ob Seiten­ver­hältnis schützen ausge­wählt ist. Es darf für den nächsten Schritt nicht geschützt sein. Seiten­ver­hältnis geschützt bedeutet, dass du die Höhe oder Breite eines Objekts änderst und sich auto­ma­tisch die andere Seite so verändert, dass du dieselben Propor­tionen wie vorher hast. Wir möchten aber nur die Höhe entspre­chend unserer Prozent­zahlen ändern. Die Breite soll gleich bleiben, damit alle Säulen gleich breit (und nur unter­schiedlich hoch sind).

4. Die Höhe der Säulen anpassen

Jetzt passen wir die Säule an die Prozentzahl für „MINT“ an. Dafür klickst du unten rechts auf den Wert neben „H“, wir verändern also die Höhe.

Unten rechts wird die Höhe der Säule verändert

Dann gibst du dort die Prozentzahl ein, mit dem Prozent­zeichen!

Bei der Höhe wird die Prozentzahl eingegeben, dann verändert sich die Höhe auf den Prozentsatz

Enter drücken.

Und deine Säule ist plötzlich viel kürzer. Sie entspricht 22,02 % deiner 100%-Säule.

Diesen Schritt führst du für alle Säulen aus – Du gibst jeweils die entspre­chende Prozentzahl ein.

Alle Säulen werden auf die jeweilige Höhe angepasst

5. Säulen ausrichten

Jetzt richtest du die Säulen so aus, dass sie auf einer Linie stehen, und gleich weit vonein­ander entfernt sind. Wenn die magne­tische Ausrichtung akti­viert ist, zeigt dir das Programm die Abstände zwischen den Säulen auto­ma­tisch an, wenn du eine der Säulen verschiebst. Sind alle gleich weit vonein­ander entfernt, zeigen dir das grüne und rote Linien und die entspre­chenden Zahlen:

Der Screenshot zeigt, wie Affinity Designer anzeigt, dass verschiedene Objekte dieselben Abstände haben.

Nicht immer sollten die Säulen gleich weit vonein­ander entfernt sein. Nehmen wir an, es handelt es sich um mehrere Zeit­punkte, zu denen die Daten erhoben wurden. Die Zeit­punkte sind eigentlich immer ein Jahr vonein­ander entfernt. In einem Jahr wurden keine Daten erhoben. Dann kannst du das mit den entspre­chenden Abständen (und Beschrif­tungen) signa­li­sieren:

In diesem Diagramm fehlt ein Jahr, deswegen ist dort ein größerer Abstand als zwischen den anderen Jahren.

 

Die 100%-Säule löschst du nicht, sondern stellst sie nur im Ebenen­be­dienfeld auf nicht sichtbar.

Ebenen mit den unterschiedlichen Rechtecken, also den Säulen

Wenn du Daten nach­träglich nach­be­ar­beiten musst, hast du noch das 100%-Rechteck als Referenz.

Markiere alle Objekte und schütze das Seiten­ver­hältnis. Dann kannst du die Größe des Diagramms ändern, ohne dass die Propor­tionen verändert werden. Du kannst die Diagramme auch in der Höhe verändern. Wenn du sie alle auf einmal markierst und verän­derst, bleiben die Propor­tionen zu den anderen Säulen gleich.

6. Beschrif­tungen erstellen

Beschrifte deine Säulen und dein Diagramm nun:

Erstelle die Beschrif­tungen als Grafiktext (nicht als Rahmentext), dann lassen sie sich besser an den Säulen ausrichten. Denke an folgendes:

  • Die Säulen: Was zeigen sie? Das kannst du darüber oder darunter eintragen. Im Beispiel sind das die Projekt­namen.
  • Die Werte: Du kannst auch eine Skala links von den Säulen einsetzen. Dann dauert es länger, bis der Betrachter die unge­fähren Werte für die einzelnen Säulen erfasst hat. Oder du schreibst die Werte direkt an die jewei­ligen Säulen. Du kannst sie in die Säule, über oder unter die Säule schreiben.
  • Die Einheit: Vergiss nicht, die Einheit der Werte zu nennen. Im Beispiel also das Prozent­zeichen.
  • Die Quelle: Gibst du Daten aus deiner Orga­ni­sation in deinem Jahres­be­richt an, ist meistens klar, dass du sie selbst erfasst hast. Greifst du auf Daten aus anderen Erhe­bungen zurück, musst du folgende Daten angeben: Quelle der Daten, Jahreszahl, evtl. Anmer­kungen, wie die Daten zustande kommen, bei Umfragen die Gesamtzahl der befragten Personen für die jeweilige Frage(n) (Gesamtzahl “n”).

Säulendiagramm in Affinity Designer

7. Design-Varia­tionen

Du kannst Diagramme natürlich im Design vari­ieren. Durch Masken, verschiedene Farben, Konturen und so weiter.

Säulendiagramm mit Icons

Du kannst auch die Diagramme mit dem Zeichen­stift nach­zeichnen und mithilfe von Pinseln einen zeich­ne­ri­schen Stil erzeugen. Dann stellst du das Diagramm auf nicht sichtbar und hast ein cooles gezeich­netes Diagramm.

Gezeichnetes Diagramm

Für Balken­dia­gramme folgst du denselben Schritten, nur dass deine Rechtecke breiter sind als hoch:

Balkendiagramm

 

Work­around für Kreis­dia­gramme und Donuts

1. Werte in Winkel umrechnen

Zuerst benö­tigst du die Winkel, die die einzelnen Stücke deines Kreis­dia­gramms später haben müssen. (Also die Winkel der einzelnen Torten­stücke.)

Dafür rechnest du:

Winkel = (360° * den Teilwert) : den Gesamtwert

Wir nehmen die Werte von oben:

  • MINT – 15
  • Foto­grafie – 19
  • Sprachen – 27
  • Sozial & digital – 7
  • Insgesamt: 68.

 

Die Formel:

  • Der Winkel für MINT: (360°* 15) : 68 = 79,4
  • Der Winkel für Foto­grafie: (360°* 19) : 68 = 100,56
  • Der Winkel für Sprachen: (360°* 27) : 68 = 142,94
  • Der Winkel für Sozial & digital: (360°* 7) : 68 = 37,06

Für Prozent­zahlen: Prozentzahl x 3,6 = Winkel.

 

Keine Lust auf Mathe? Wenn du öfter Kreis­dia­gramme in Affinity erstellen willst, erstelle dir zuerst eine Tabelle in Excel. Dort kannst du mit einfachen Formeln eine Tabelle erstellen, in die du nur die einzelnen Werte und den Gesamtwert einträgst. Excel berechnet dir dann die Winkel.

2. Erstes Torten­stück erstellen

Die Methode, um ein Kreis­dia­gramm zu erstellen, die ich dir vorstelle, klingt zuerst kompli­ziert. Sie ist es aber eigentlich nicht. Du musst nur die Schritte exakt in derselben Reihen­folge ausführen. Es gibt auch andere Wege, ein Kreis­dia­gramm zu erstellen, etwa, erst alle Torten­stücke zu erstellen und dann anein­ander auszu­richten. Das finde ich aber sehr schwierig, da die Ausrichtung an den einzelnen Torten­stücken nicht so einfach ist. (Die magne­tische Ausrichtung funk­tio­niert da nicht so richtig.)

Im ersten Schritt erstellst du das erste Torten­stück. Dafür klickst du auf das Werkzeug Torte. Halte Shift gedrückt und ziehe eine Torte in deinem Dokument auf. So bekommst du eine kreis­runde Torte (und nicht etwa eine ellip­sen­förmige).

Torte in Affinity Designer

3. Winkel anpassen

Wir beginnen mit dem kleinsten Torten­stück, also mit dem kleinsten Wert. Das ist in meinem Diagramm der Wert 37 für „Sozial & digital“. Ich beginne immer mit dem kleinsten Wert, damit am Ende das größte Torten­stück auf 12 Uhr im Kreis­dia­gramm steht.

Gib den Wert für das kleinste Torten­stück oben unter „Gesamt­winkel“ ein. Enter – und dein erstes Torten­stück ist fertig.

Gesamtwinkel für das kleinste Tortenstück eintragen (den Winkel)

4. Zweites Torten­stück erstellen

Markiere dein erstes Torten­stück. Drücke STRG+J. Damit kopierst du das Torten­stück. Jetzt gibst du den Endwert deines Torten­stücks als Startwert ein.

Erstes Tortenstück im Kreisdiagramm

Dann siehst du auf einmal einen kompletten Kreis.

 

Bei Gesamt­winkel schreibst du jetzt den zweiten Wert aus deiner Tabelle hin. Und zwar den zweit­kleinsten. Bei mir ist das 79, der Winkel für „MINT“.

Nun ist ein kompletter Kreis zu sehen

Zweites Tortenstück

Jetzt hast du schon zwei Torten­stücke. Ändere beim zweiten die Farbe, dann erkennst du das besser.

5. Rest­liche Torten­stücke erstellen

Markiere das zweite Torten­stück. Drücke STRG+J, um das zweite Torten­stück zu kopieren. Jetzt gibst du den Endwert des Torten­stücks als Startwert ein. Dann siehst du auf einmal einen kompletten Kreis.

Bei Gesamt­winkel schreibst du jetzt den zweiten Wert aus deiner Tabelle hin. Und zwar den dritt­kleinsten. Bei mir ist das 101, der Winkel für „Foto­grafie“.

Und so weiter. Als nächstes markierst du also das dritte Torten­stück, kopierst es, trägst seinen Endwert als Startwert ein, trägst den viert­kleinsten Winkel als Gesamt­winkel ein und hast das nächste Torten­stück. Zumindest, wenn du über­haupt mehr als drei Torten­stücke hast. Sonst ist dein Kreis nämlich jetzt schon voll­ständig. Die Schritte verfolgst du so oft, wie du Torten­stücke in deinem Kreis­dia­gramm hast.

Komplettes Kreisdiagramm

Wenn sich die Winkel über­schneiden und zusammen mehr als einen Kreis ergeben, dann passt bei der Rechnung etwas nicht. Ist dein Gesamtwert aus der Tabelle wirklich so viel wie alle Teil­werte zusam­men­ge­rechnet?

Oft sieht man, dass zwischen einzelnen Kreis­seg­menten Abstände sind. Die kannst du hier leider nur dadurch erreichen, dass du eine weiße Kontur (oder die jeweilige Farbe deines Hinter­grunds) für alle Teile des Kreis­dia­gramms einstellst. Aller­dings sind dann alle Kreis­seg­mente etwas kleiner. Damit ändern sich die Propor­tionen leicht.

Kreisdiagramm mit weißen Konturen

6. Donut-Diagramm

Ein Donut-Diagramm ist mit dieser Methode auch ganz leicht: Wähle statt des Torten­werk­zeugs einfach den Donut aus. Dann kannst du die Winkel später ebenso oben in der Leiste anpassen. Die einzelnen Schritte sehen genauso aus wie beim Kreis­dia­gramm.

Donut und Kreisdiagramm

Du siehst, es ist etwas umständlich, ein Kreis­dia­gramm in Affinity Designer zu erstellen. Aber wenn man den Dreh einmal raushat, ist es gar nicht so schwer. Aller­dings würde ich nicht zu viel mit unter­schied­lichen Kreis­dia­grammen herum­pro­bieren. Das dauert sehr lange. Überlege dir vorher, wie du deine Daten darstellen möchtest. Testen kannst du das z. B. sehr schnell in Excel. Am Ende setzt du dann deine gewählte Darstel­lungs­weise mit Affinity Designer um.

7. Titel, Beschriftung und Legende nicht vergessen

beschriftetes Kreisdiagramm

Ein kurzer, aussa­ge­kräf­tiger Titel zeigt dem Leser, was er da sieht. Vergiss nicht, den Zeitraum der Daten, die Daten­quelle und bei Umfragen die Zahl der befragten Personen anzu­führen. Schreibst du in einer eigenen Publi­kation deiner Orga­ni­sation? Ist offen­sichtlich, dass ihr Daten zu bestimmten Themen selbst erhebt, wie z. B. Teil­neh­mer­zahlen? Dann brauchst du die Orga­ni­sation nicht als Daten­quelle zu nennen. Wichtig ist aber der Zeitraum der Daten­er­hebung, also zum Beispiel das Jahr.

Eine Legende brauchst du nicht zwangs­läufig. Im Gegenteil, setze lieber auf direkte Beschrif­tungen deiner Diagramme. So erfasst der Leser viel schneller, welche Kern­aussage dein Diagramm trans­por­tiert. Mehr Tipps für das Design von Info­gra­fiken bekommst du in meinem Artikel.

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