Der letzte Buchtipp zum Thema Schreiben ist schon eine Weile her. Das Thema hat mich über die letzten Monate aber weiter beschäftigt, und daher empfehle ich euch heute ein besonders tolles Buch. Es heißt:

Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten und Texter. Von Roy Peter Clark. 350 Seiten, 22,99€. Autorenhaus Verlag.

Aufbau

Das Buch besteht aus 50 kurzen Kapiteln, die auf 6-7 Seiten jeweils ein Werkzeug vorstellen. Am Ende jedes Kapitels findest du einen Workshop mit 4 oder 5 Aufgaben, um das Werkzeug des Kapitels anzuwenden. Du prüfst, ob und wie du das Werkzeug in deinen Texten anwendest. Du untersuchst deinen Lieblingsfilm auf seine Dramaturgie. Oder du legst einen Plan für deine Geschichte fest. Roy Peter Clark zeigt dir anhand vieler Beispiele, wie jedes Werkzeug funktioniert.

Inhalt

Die Werkzeuge sind in vier große Kapitel eingeteilt:

Das Kapitel „Das A und O“ liefert dir zehn allgemeine Werkzeuge für deine Texte. Diese lassen sich für alle Texte einsetzen. Hier bricht der Autor zum Beispiel mit der häufig angeführten Regel, dass Sätze kurz sein müssen. Er zeigt dir stattdessen, wie du lange Sätze gekonnt einsetzt. Wofür eignen sich lange Sätze gut? Was solltest du beachten, damit lange Sätze lesbar bleiben? Das erfährst du in der Werkzeugbeschreibung „Fürchte nicht den langen Satz“. Außerdem ein Werkzeug aus diesem Kapitel: Das Streichen. Der Autor zeigt, wie der Text des vorangegangen Kapitels ausgesehen hat, bevor er Wörter und Passagen gestrichen hat. Du bekommst ein Gefühl dafür, wie das Streichen den Text beeinflusst, ihn präziser macht, seine Wirkung stärkt.

Im Kapitel „Spezialeffekte“ lernst du Spezialeffekte, die deine Texte klarer, origineller und überzeugen machen. Zwei der Werkzeuge aus diesem Kapitel sind „Freiheit für Schlüsselwörter“ und „Schrittmacher und Tempo“. Die erste Werkzeugbeschreibung erklärt dir, was du mit der Wiederholung auffälliger Wörter bewirkst. Das zweite Werkzeug behandelt die Satzlänge. Du kannst mit der Satzlänge das Lesetempo beeinflussen und so etwa Spannung erzeugen oder etwas Komplexes vereinfachen.

Das Kapitel „Pläne“ hilft dir, deine Texte zu organisieren und sinnvoll aufzubauen. Zwei Werkzeuge aus diesem Kapitel: „Wo steht die Kamera?“ und „Der vergrabene Schatz“. Das erste Werkzeug rät dir dazu, von Regisseuren zu lernen. Schreibe anhand verschiedener Kameraeinstellungen. Das zweite Werkzeug dient dazu, den Leser bei der Stange zu halten. Du versiehst ihn immer wieder mit kleinen Schätzen. Wie das geht? Das lernst du in dieser Werkzeugbeschreibung.

Und das letzte Kapitel, „Nützliche Gewohnheiten“, befasst sich mit Tipps für ein produktives Autorenleben. Das letzte Werkzeug im Buch liefert dir einen 8-Punkteplan für deinen Schreibprozess. Das Werkzeug „Nicht aufschieben – proben“ hilft dir, das Schreiben nicht aufzuschieben. Fange früher an zu schreiben und schiebe es nicht auf den Zeitpunkt, wenn du alle Informationen gesammelt hast.

Was fängst du mit den Werkzeugen an?

Wie Clark selbst schreibt, solltest du nicht versuchen, alle Werkzeuge auf einmal auszuprobieren. Mit der Zeit wird dir beim Lesen anderer Texte auffallen, welche Werkzeuge andere Autoren einsetzen. Du kannst dir auch für einen Text ein oder mehrere Werkzeuge aussuchen und sie gezielt einsetzen. Oder du fragst dich bei der Korrektur eines Textes, wie du ihn noch verbessern kannst und schmökerst ein wenig in diesem Buch. Bis dir die entscheidende Idee kommt.

Meine Meinung

Mir gefällt das Buch sehr gut, da es über die einfachen Hinweise „kein Passiv“ oder „keine langen Sätze“ hinausgeht, welche in manch anderen Schreibratgebern vorkommen. Der Autor differenziert hier und zeigt, in welchen Fällen Passiv eben doch seine Wirkung hat, oder wie lange Sätze den Text bereichern. Außerdem ist die Struktur des Buchs praktisch: Willst du deinen Text verbessern, musst du nicht das ganze Buch von vorne bis hinten durchlesen, sondern kannst im Inhaltsverzeichnis nach einem hilfreichen Werkzeug suchen. Unter dem Kapitelnamen steht im Inhaltsverzeichnis eine Mini-Zusammenfassung. Du erinnerst dich also schnell, welches Werkzeug sich womit befasst. Auch die Idee der Übungsaufgaben zum Abschluss des Kapitels finde ich sehr nett, habe sie jedoch selbst bisher nicht ausprobiert.

Für wen eignet sich das Buch?

Ich würde dieses Buch eher denjenigen empfehlen, die sich schon mit dem Thema Texten auseinandergesetzt haben. Sonst sind die vielen Werkzeuge wohl ein wenig viel für den Anfang. Für den Einstieg in das Thema Texten empfehle ich eher das Buch „Einfach besser texten“, welches in die verschiedenen Textsorten, Grammatik und Stil einführt. Oder du schaust dir mal meine Linktipps zum Thema Texten an. Am Feinschliff kannst du später mit diesem Buch arbeiten.

Wenn du dich schon mehr mit dem Thema Texten auseinandergesetzt hast, empfehle ich dir dieses Buch ganz besonders, da es nicht nur bekannte Tipps wiederholt, sondern stattdessen in die Tiefe geht und dabei viele spannende Detailfragen ans Licht bringt. Du hast für längere Zeit etwas von diesem Buch, da du unmöglich alle Werkzeuge sofort bewusst einsetzen kannst. Auch nach längerer Zeit kannst du mal wieder in dieses Buch hineinschauen und weitere Werkzeuge entdecken bzw. bewusst für die Wirkung deines Textes einsetzen.

Fazit

Mein Fazit: Ein tolles Buch für alle, die tiefer in das Schreiben einsteigen wollen. Auch nach Jahren noch ein tolles Nachschlagewerk und Übungswerk.

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